Juckende Kopfhaut

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Nicht kratzen! Ursachen und Lösungen bei Juckreiz, Brennen oder Kopfhautirritationen

Juckende Kopfhaut kann vielerlei Ursachen haben. Viele Probleme lösen sich zwar von alleine – sollte der Juckreiz allerdings über einen längeren Zeitraum anhalten oder zeigen sich krankhafte Veränderungen, ist der Besuch beim Hausarzt unumgänglich.

Die Kopfhaut gehört zu den empfindlichsten Regionen unseres Körpers. Wird ihr zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, kann sich Juckreiz einstellen. Leidtragend sind dann meist auch die Haare, da die Gesundheit der Kopfhaut sich auf das Aussehen und die Vitalität der Haare auswirkt. Manchmal verschwindet dieses Jucken so schnell wie es kommt, aber häufig quält ein brennen, zwischen oder stechen dauerhaft. Manchmal reiseln sogar weiße Schuppen. Was sind die Ursachen für eine trockene, geschädigte oder krankhaft veränderte Kopfhaut und wie wird man das unangenehme Gefühl schnell wieder los?

Aufbau und Funktion der Kopfhaut

Die Kopfhaut besteht genau wie alle unsere Körperhaut aus mehreren Schichten. In den tieferen Schichten werden fortlaufend neue Zellen gebildet, während an der Hautoberfläche abgestorbene Zellen abgestoßen werden. In der Haut sitzen Haarwurzeln, Talg- und Schweißdrüsen sowie Immunabwehrzellen und Nerven. Zusammen nehmen sie Funktionen wie Flüssigkeitsaustausch, Sinneswahrnehmung und Temperaturregulation wahr.

Sind die in der Kopfhaut ablaufenden Prozesse gestört, können lokale Beschwerden auftreten. Zu den häufigsten Problemen zählen Austrocknung, Schuppenbildung und Juckreiz. Auslöser sind äußere Einflüsse wie Sonne, Kälte oder heißes Föhnen. Ursache können aber ebenso Krankheiten, hormonelle Veränderungen, Medikamente sowie die Anwendung von Pflegeprodukten sein.

 

Vier Kopfhauttypen

Je nach Beschaffenheit der Kopfhaut werden allgemein vier verschiedene Kopfhauttypen unterschieden:

  • Normale Kopfhaut: Von den Talgdrüsen wird eine ausbalancierte Menge Talg produziert. Das Haar wird nicht fettig, Haut und Haare bleiben jedoch geschmeidig. Fett- und Flüssigkeitshaushalt befinden sich somit im Gleichgewicht.
  • Trockene Kopfhaut: Von den Talgdrüsen wird zu wenig Talg produziert oder die Kopfhaut wird nicht mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Dadurch fehlen ihr Fett und Feuchtigkeit.
  • Fettige Kopfhaut: Die Talgdrüsen produzieren zu viel Talg, so dass es zu fettigen, strähnigen Haaren kommt. Mögliche Auslöser sind hormonelle Veränderungen oder Stress.
  • Schuppige Kopfhaut: Schuppen auf dem Kopf können sowohl mit einer trockenen als auch mit einer fettigen Kopfhaut einhergehen. Auch hier gelten Stress und Veränderungen im Hormonhaushalt als die Hauptauslöser.
  • Empfindliche Kopfhaut: Empfindliche Kopfhaut kann verschiedene Ursachen haben, wie etwa einen unausgewogenen Talgausstoß, der die Haut irritiert. Auch Umweltverschmutzung und Stress. (Spannungshaarausfall) können Reizfaktoren sein. Schmutzpartikel aus der Umwelt hinterlassen auf dem Haar Rückstände, die sich zu einem Film bilden können. Wie bei Stress können dabei freie Radikale entstehen. Diese verändern die Struktur der Haut und die der Haarwurzel. Das Haar verliert an Glanz und Spannkraft.

 

Auch folgende Einflüsse können sich negativ auf sensible Kopfhaut auswirken:

    • unausgewogene Ernährung
    • aggressive Shampoos
    • regelmäßiges Föhnen und Verwendung von Styling-Produkten
    • das langfristige Tragen von Kopfbedeckungen
    • chlorhaltiges Wasser
    • schädliche UV-Strahlen

 

Warum juckt es auf dem Kopf?

Juckende Kopfhaut wird meist durch Hautirritationen ausgelöst. Dies kann durch chemisch-kosmetische (wie Stylingprodukte, zu häufiges Haare waschen) oder durch mechanische Reizungen (wie Reibung, Kratzen) geschehen. Oft sind die Kopfhautirritationen eine harmlose Nebenerscheinung trockener Kopfhaut - doch manchmal liegt die Ursache in Krankheiten oder psychischer Belastung.

Welche Ursache der juckenden Kopfhaut auch immer zugrunde liegt: vermeiden Sie, sich zu kratzen. Dies kann zu einer Verstärkung der Symptomatik führen und letztendlich eine Schädigung der Haut zur Folge haben.

Ursachen für juckende Kopfhaut

Sowohl innere als auch äußere Einflüsse können dafür verantwortlich sein, wenn das Gelichgewicht auf dem Kopf gestört ist.

Innere (körperliche) Ursachen

Eine Vielzahl von Hauterkrankungen wie z.B. Neurodermitis, Hautpilzerkrankungen oder Psoriasis („Schuppenflechte“) können sich auf die Kopfhaut auswirken. Auch der natürliche Alterungsprozess kann verantwortlich für ein Spannungsgefühl, beißendes Brennen oder Jucken sein, da die Haut mit dem Alter allgemein immer trockener wird und sich Stoffwechselprozesse sowie der Hormonhaushalt ändert. Frauen, welche die Anti-Baby-Pille oder Hormompräparate bei Wechseljahrsbeschwerden einnehmen, können ebenso von irritierter Kopfhaut befallen sein.

Auch körperlicher oder seelischer Stress begünstigen eine unausgeglichene Kopfhaut. Er kann, wie auch genetische Faktoren, Haarausfall begünstigen.

Äußere (umweltbedingte, chemische und mechanische) Ursachen

Umweltverschmutzung sowie das Leben in Großstädten können bei empfindlichen Hauttypen gereizte und bisweilen juckende Kopfhaut verursachen. Ein ungesunder Lebensstil, ungesunde Ernährung und Rauchen verursachen bei vielen Menschen ebenfalls sensible Kopfhaut. Manchmal werden solche Reizungen auch durch Medikamente begünstigt.

Andere Einflüsse, die zu juckender Kopfhaut führen können, sind zum Beispiel Temperaturveränderungen oder der Wechsel der Jahreszeiten. Kalte Temperaturen und trockene Heizungsluft, die sich abwechseln, können der Kopfhaut beispielsweise zu schaffen machen und diese Austrocknen. Auch das Tragen von Hüten, Helmen oder Mützen und die dadurch entstehende Reibung kann die Kopfhaut reizen.

 

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Läuse,  Milben oder andere Parasiten verursachen ebenfalls juckende Kopfhaut – da ein Ungezieferbefall nicht zwangsläufig mit Hygiene zusammenhängt, taucht dieser nicht nur im Kindergartenalter auf, sondern zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Ein Besuch beim Hautarzt oder die Beratung in der Apotheke sollte keinem peinlich sein.

Wer all diese Einflüsse für sich ausschließen kann, sollte seine Beautyprodukte auf den Prüfstand stellen. Shampoos, Seifen oder Stylingprodukte können sensible Kopfhaut irritieren. Auch sind allergische Reaktionen auf Haarfärbemittel nicht selten. Bürsten und Kämme aus Metall oder mit scharfkantigen Borsten reizen die empfindliche Kopfhaut und können diese sogar verletzen sowie die Haarstruktur schädigen.

Tipp: Bürsten mit Naturhaar oder Kämme mit Holzzinken sind schonender und gesünder für Kopfhaut und Haar als „Billigbürsten“ aus der Drogerie. Sie sollten auch darauf achten, Ihre Utensilien regelmäßig zu reinigen.

Zu den äußeren Einflüssen, die sich schädigend auf Kopfhaut und Haar auswirken können, gehört auch zu Heißes Föhnen und zu heiß angewandte Stylinggeräte wie Lockenstab oder Stylingeisen. Diese trocknen nicht nur das Haar stark aus und schädigen es, sondern führen auch zu einer trockenen Kopfhaut. Besser ist es, das Haar zumindest dann und wann an der Luft trocknen zu lassen oder kalt zu föhnen.

 

Sollte das Jucken eher schmerzhaft sein, muss umgehend ein Hautarzt aufgesucht werden. Denn dann kann eine Gürtelrose oder eine bakterielle Infektion hinter dem penetranten Jucken stehen. Besonders Männer sollten Ihre Kopfhaut im Blick behalten, besonders jene, die schütteres Haar oder einen kahlen Kopf haben. Immerhin können dauerhafte Beschwerden auch ein Hinweis auf eine Krebsvorstufe sein. 

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Allergie fördert Juckreiz

Häufig werden die Kopfhaut-Beschwerden durch eine allergische Reaktion auf ein bestimmtes Pflege- oder Stylingprodukt hervorgerufen. Eine solche Allergie kann ganz plötzlich auftreten, auch wenn man das Produkt vorher schon jahrelang verwendet hat. Ausprobieren kann man dies, indem man zunächst auf ein anderes Produkt, das möglichst wenige oder keine Zusatzstoffe (u.a. Parfum) auskommt, verwenden und beobachten, ob der Juckreiz nachlässt. Ob hinter Ihren Beschwerden eine Allergie steckt, kann man letztendlich durch einen Allergietest beim Hautarzt herausfinden. Am besten die Packung des Produktes gleich mitnehmen. So kann sich der Facharzt einen Überblick über infrage kommende Inhaltsstoffe verschaffen.

Diagnose und Therapie bei juckender Kopfhaut

Leidet man unter juckender Kopfhaut, sollte man ein paar Überlegungen anstellen: Hat man kürzlich das Shampoo gewechselt oder ist auf eine neue Haarkur umgestiegen? Könnte Stress in Beruf oder Privatleben die Gründe sein? War man kürzlich im Urlaub in einer anderen Klimazone? Hat „frau“ die Pille gewechselt oder nimmt seit kurzem Medikamente ein?

Die jeweilige Therapie der juckenden Kopfhaut richtet sich nach den Ursachen. Zum Teil kann es schon helfen, wenn man die Haare in Zukunft mit einem milderen Shampoo wäscht, manchmal sind aber auch Medikamente wie zum Beispiel Kortison nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Das können Sie gegen juckende Kopfhaut tun:

  • ausgewogene Ernährung
  • mildes Shampoo
  • erfolgreiche Stressbewältigung
  • regelmäßige Massage der Kopfhaut zur Anregung der Durchblutung
  • Haare nicht den ganzen Tag lang zusammengebunden, sondern stundenweise offen tragen, damit es „atmen“ kann
  • in der Sonne eine Kopfbedeckung tragen

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Hausmittel bei Kopfhautirritationen

Am Abend vor dem Zubettgehen kann man mit einer Pipette oder kleinen Spritze (selbstveständlich ohne Nadel) Olivenöl direkt auf die Kopfhaut geben und über Nacht einwirken lassen. Damit das Kissen nicht ölig wird, am besten ein Handtuch drauflegen. Am Morgen wird dann das Öl mit einem milden Shampoo ausgewaschen. Dabei niemals ein Shampoo gegen Schuppen verwenden, sondern eines, das zur täglichen Reinigung dient.

Unterschiedliche Hausmittel können weitgehend unabhängig von den Ursachen zur Linderung des Kopfjuckens beitragen. Beispielsweise hat Salzwasser einen positiven Effekt auf die menschliche Haut. Das Baden im Meer kann angeblich Juckreiz entgegenwirken. Da das Meer nicht unbedingt vor der Haustür liegt, besteht die Möglichkeit eine Lösung mit Salz aus dem Toten Meer in der Apotheke zu erwerben und zweimal pro Woche darin zu baden. Im Anschluss an das Salzwasserbad empfiehlt sich das Auftragen von einem beruhigenden Hautöl (Johanniskraut- oder Nachtkerzensamenöl).

Großer Irrtum bei juckender Kopfhaut

Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Von Sprays gegen Fußpilz oder Essigspülungen sollte man auf jeden Fall die Finger lassen! Zwar gibt es eine breite Meinung, diese Mittel würden juckender Kopfhaut ein Ende setzen, wissenschaftlich bewiesen werden konnte das jedoch nicht. Bitte lassen Sie sich von Ihrem Hautarzt, Apotheker oder Ihrem Friseur beraten, damit Sie ihrem juckenden Problem fachgerecht begegnen können.

Von Klaus P. Gasch