Feines Flechtwerk

Längst sind sie das biedere Mädchenimage losgeworden: Flechtfrisuren. Und zieren seit einiger Zeit die Köpfe von erwachsenen und äußerst trendbewussten Prominenten wie Gisele Bündchen, Paris Hilton oder Heidi Klum. „Ein toller, traditioneller und seit einiger Zeit wiederbelebter Trend“, sagt die Friseurmeisterin Karolin Köhler-Scholz aus Leipzig. Dabei war längere Zeit zuächst die ordentliche Variante im Trend, dann wurden die Zöpfe immer lässiger. Und nun? „Die Flechtfrisuren 2016 sehen ein wenig ungemacht oder wie nicht ganz sauber gearbeitet aus“, erläutert Jens Dagné, Pressevorstand der Friseurvereinigung Intercoiffure Deutschland. 

 

Wer es lieber etwas geordneter mag, ist aber längst nicht old-school: “Ob locker oder streng geflochten, beides ist tragbar und modern“, versichert Dagné. Karolin Köhler-Scholz von der Friseurinnung Leipzig sieht in der strengeren Variante auch außerhalb der Wiesn-Zeit eine tolle Frisur für den Alltag: „Den eng geflochtenen normalen Zopf finde ich besonders schön, wenn man ihn als Haarreif verwendet“, sagt sie. Er wird also um den Kopf gelegt. Köhler-Scholz erläutert, wie das geht: „Einen Mittelscheitel ziehen und rechts und links hinter dem Ohr eine auf beiden Seiten gleich dicke Strähne abtrennen. Diese wiederum in drei kleine Strähnen teilen und gerade herunter zu normalen Zöpfen flechten“. Der Zopf auf der rechten Seite wird dann entlang der Stirn um den Kopf gelegt und hinter dem linken Ohr mit Haarnadeln festgesteckt. Das Ganze wiederholt man mit dem zweiten Zopf. 

 

Ähnlich einfach funktioniert der klassische Gretchenzopf: Hier werden auf beiden Seiten rechts und links vom Mittelscheitel zwei Zöpfe komplett nach unten geflochten und danach - wie bei der Haarreif-Variante - über den Kopf auf der anderen Seite festgesteckt. Etwas mehr Fingerfertigkeit und viel Geduld braucht man, wenn man den sogenannten Französischen Zopf seitlich über den Kopf flechten möchte.  In seiner ursprünglichen Variante zeichnet sich der Französische Zopf durch die eingeflochtenen Strähnen aus, die rechts und links vom Kopf herunter wandern. Um diesen Effekt zu erreichen, nimmt man drei schmale Strähnen und fängt an zu flechten. Bereits nach dem ersten Durchgang kommen abwechselnd rechts und links jeweils kleine Strähnen aus dem Resthaar dazu. Diese werden mit in den Mittelstrang des Zopfes eingebunden. So «klettert» der Französische Zopf allmählich den Kopf herunter. Beim seitlichen Französischen Zopf, der manchmal auch Bauernzopf genannt wird, verlaufen die eingeflochtenen Strähnen parallel zur Stirn. Dazu braucht man einen langen Pony, denn der Zopf wird seitlich angelegt. 



Für Strähnen, die aus der Reihe tanzen oder nicht dahin gewandert sind, wo sie hingehören, gibt es eine Lösung:  Nämlich einfach mit sogenannten Bobby Pins, also größeren gebogenen Haarnadeln, die Strähne etwas herausziehen. Bobby Pins sind auch ideal, um Strähnen festzustecken. 

Gerade der parallel an der Stirn verlaufende Zopf ist für kurze Haare in Boblänge eine ideale Variante: „Hier muss man notfalls ein wenig mit Haarspray und Haarklemmen nachhelfen, damit keine kleinen Härchen herausspringen“, sagt Antonio Weinitschke, Creative Director im Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks in Köln. „Ansonsten kann diese Flechtfrisur ganz toll bei kurzen Haaren aussehen“. 

 

Nichts für schwache Nerven

Friseure können die Flechttechniken auch unterrichten. Denn spätestens beim beliebten Fischgrätenzopf dürfte so mancher modebewussten Frau der Geduldsfaden reißen: „Bei dieser Technik arbeitet man mit vier Strähnen, die dann jeweils von außen übereinandergelegt werden“, erklärt Köhler-Scholz. Besonders als Seitenzopf wird diese Variante sehr gerne getragen. Zu einem festlichen Anlass kann eine Flechtfrisur sogar ein Accessoire ersetzen! Ein besonderer Hingucker sind kleine Blumen oder geflochtene Haarbänder in Pastelltönen, die zusätzlich in die Frisur eingearbeitet werden.

 

Weitere Flechtfrisuren finden Sie hier: www.friseur.com/frisuren/specials/flechtfrisuren 

Fotocredits:
1. Foto: Paul Mitchell
2. Foto: www.intercoiffure-mondial.org
3.Foto: Redken/Marco Arena