„Bei den Freihand- und Färbetechniken ist noch viel Luft nach oben“

Ob als Hairdresser & the City oder internationaler REDKEN Hair Stylist: Tausende von Friseuren und Kunden klicken sich jede Woche begeistert durch seine Tutorials, Blogbeiträge und Videos. Wir haben Daniel Golz ein paar Fragen zu aktuellen Trends und Tipps für das Salongeschäft gestellt.

 

Das Interview

Frage: Themen wie Balayage oder Ombré sind scheinbar nicht totzukriegen. Immer wieder tauchen neue Variationen davon auf. Was hältst du davon und was ist in deinen Augen das Besondere daran?

Daniel Golz: Ich halte von diesen Färbetechniken sehr viel! Sie bieten Friseuren und Endverbrauchern eine unendliche Vielfalt an Farbkombinationen. Und dem Friseur sind in Sachen Kreativität keine Grenzen gesetzt, weder was die Farbe noch die Technik betrifft. Es wundert mich also nicht, dass hier immer wieder neue Trends und Farbkombinationen auftauchen. Was ich auch interessant finde: das Thema stammt eigentlich aus den 1980er Jahren, das weiß nur kaum jemand.

Frage: Siehst du bei diesen Themen noch Luft nach oben? Und wohin wird es gehen mit den Freihandtechniken – wo siehst du hier die Chancen für Friseure und Unternehmen?

Daniel Golz: Da ist noch viel Luft nach oben! Mittlerweile bemühen sich die Hersteller sehr um die Weiterentwicklung der Haarfarben. Sie werden pflegender, schonender, sodass der Endverbraucher mehr ausprobieren und experimentieren kann, ohne das Haar damit zu ruinieren. Dies betrifft ganz besonders die Längen und die Spitzen. Deren Pflege sind für den Friseur übrigens sehr gute Einnahmequellen, die er nicht vernachlässigen sollte.

Frage: Innerhalb der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass etwa 50 Prozent aller Frauen zu Jahresbeginn 2016 das Colorieren ihrer Haare aufgegeben haben. Worauf führst du das zurück? 

Daniel Golz: Ich vermute, dass das leider auch eine indirekte Folge der neuartigen Farbtechniken ist. Der Ansatz bleibt dunkel, Längen und Spitzen hell – da hat die Kundin lange was davon und muss nicht, wie bei normaler Farbe, alle vier bis sechs Wochen zum Nachfärben gehen! Dafür ist eine Balayage natürlich auch deutlich teurer als eine gewöhnliche Coloration.  

Frage: Was können Friseure tun, um Ihre Kunden wieder verstärkt in den Salon zu bekommen? 

Daniel Golz: Einige Friseure arbeiten mit ihren Haarfarben genau so, wie es ein Endverbraucher auch zu Hause tun würde. Da stellt sie oder er sich natürlich irgendwann die Frage, ob das ‚Do-it-yourself‘ Verfahren nicht günstiger wäre.  Ich persönlich arbeite im Salon beim Färben mit mindestens zwei verschiedenen Haarfarben. Das Ergebnis ist nicht nur viel besser und lebendiger – die Kundin kriegt es auch unmöglich zu Hause hin. Wichtig ist es also, eine Haarfarbe zu erzeugen, für die die Kundin in den Salon kommen muss. Und die nichts zu tun hat mit dem gewöhnlichen ‚Ansatz nachfärben“. Schließlich sind wir ja alle Friseure, also Handwerker, und das sollte man unserem Job auch ansehen! Und wenn es um die neuen Techniken geht – da würde ich dem Kunden das regelmäßige Auffrischen der Längen und Spitzen anbieten, damit das Haar seinen Glanz und seine Farbintensität beibehält.

Frage: Wie schätzt du die Produktpalette und die Bedeutung der so genannten „Additiven Produkte“ ein?

Daniel Golz: Das Hauptgeschäft eines Friseurs  liegt mittlerweile nicht mehr auf einer normalen Ansatzfarbe, sondern in den Längen und Spitzen. Das heißt, dass ein Friseur mehr Geld mit Techniken und Farben verdient, die auf den Längen und Spitzen aufgetragen werden. Und hier spielt die Pflege eine große Rolle: Ein Salon sollte sich dazu entscheiden, additive Produkte in das Sortiment aufzunehmen, und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen, weil der Friseur damit die Haarfarben länger haltbar und farbintensiver macht, zum anderen, weil sie das Haar perfekt schützen und pflegen. Das ist der Kundin auch eine Extra-Ausgabe wert. Additive Produkte sind jedoch kein Freischein für das Vergewaltigen der Haare durch mehrfaches Blondieren hintereinander – davor bieten auch sie keinen Schutz!

Frage: Die Produktgruppe Haarpflege ist derzeit die einzige Kategorie, wo das Wachstum noch stimmt. Worauf führst du das zurück? Wie können Friseure davon profitieren?

Daniel Golz: An den steigenden Zahlen merkt man, dass Endverbraucher wirklich daran interessiert sind, das Haar zu pflegen und es schön und gesund aussehen zu lassen. Der Friseur kann in dem Fall davon profitieren, indem er eine ausführliche Pflegeberatung macht sowie eine perfekte Haarfarbe, und dem Endverbraucher darüber hinaus Tipps, Tricks und Empfehlungen zum Thema Styling und Pflege für zu Hause mitgibt. Somit ‚binde‘ ich meine Kunden auf sanfte Weise an den Salon, lasse sie jedoch ein Teil zu Hause machen und qualifiziere mich darüber hinaus als spezieller Friseur mit ganz besonderen Dienstleistungen.