Interview mit Annegret Ewald

Wie sehen Sie den Zukunftsmarkt in Deutschland?

Ich gehe angesichts der Entwicklung davon aus, dass wir zukünftig mehr Salons mit immer weniger Mitarbeitern haben werden. Falls die Meisterpflicht fällt, werden sich noch mehr Friseure als bisher selbständig machen. Das bietet vor allem kleineren Lieferanten wie uns viele Chancen, denn wir sind von unserem Konditions- und Preisgefüge her viel flexibler, als die großen Anbieter und betreuen auch kleine Salons. Unsere Produkte sind qualitativ erstklassig, aber wir können preiswerter anbieten, weil wir nicht so viel Service und Schnickschnack mitfinanzieren müssen. Für Unternehmer die rechnen, sind wir eine echte Alternative.

Wo sehen Sie noch neue Marktchancen für die Friseure?

Gute Chancen sehe ich in neuen Dienstleistungen, zum Beispiel bei der Farbe für Herren. Immerhin 35 Prozent der Friseurkunden sind Männer, aber nur zwei bis drei Prozent bekommen auch eine Farbe. Wir werden unseren Salons im nächsten Jahr eine tolle Lösung für die Herrenkunden vorstellen, weil wir glauben, dass da noch eine Menge Potential ist. Außerdem sehen wir, dass momentan der Verkauf der Dauerwelle ansteigt. Volumen und Locken sind ganz sicher auch eine Marktchance für Friseure, die das Thema beherrschen. Eine weitere Chance für Salons sehe ich, wenn sie sich mit anderen Dienstleistern vernetzen und so der Kundin ein ganzheitliches Schönheitserlebnis bieten können, ohne alles selbst machen zu müssen. Ein Friseur, der mit Nagelstudio, Kosmetikerin, Fußpflege, Physiotherapie, etc. kooperiert, kann im Verbund anders werben und seiner Kundin einen kompletten Wellness-und Schönheitstag organisieren.

Sie sind mit Ihrer Marke weltweit, sogar in exotischen Ländern wie Indien vertreten. Haben diese Friseure die gleichen Herausforderungen zu meistern, wie in Deutschland?

Der Stellenwert des Friseurs und die Ausbildung zum Friseur sind in fast jedem Land anders, deshalb lassen sich die Situationen schlecht vergleichen.

Ihre Marke bietet unter anderem auch eine Haarglättung an. Dies ist ein wachsender Markt in Deutschland. Was unterscheidet sich bei Ihnen von Ihren Mitbewerbern?

Wir haben viel Erfahrung mit diesem Vorgang, weil Haarglättung in asiatischen Ländern sehr stark nachgefragt wird. In Indien zum Beispiel gehört das Glätten zum Salonalltag. Mit dieser Erfahrung haben wir ein Verfahren entwickelt, das nicht nur sicher im Ablauf, sondern auch sehr haarschonend ist. Damit wird es zu einer Dienstleistung, die jeder Friseur ohne aufwendige Schulung ausführen kann. Für die Kundin bedeutet es, dass ihr Haar nach der Glättung nicht nur glatt, sondern auch noch lebendig, glänzend und gesund ist.

Wie sehen Sie den Zukunftsmarkt Internet?

Das Internet ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken und ganz sicher noch nicht am Ende seines Wachstums und seiner Möglichkeiten. Obwohl Friseure in der Internet-Nutzung der Gesamtbevölkerung noch etwas nachhinken, sehen wir doch immer mehr Kunden, die die Möglichkeiten genau wie wir als Firma intensiv nutzen.

Ist aus Ihrer Sicht eine Homepage für den Friseurunternehmer wichtig?

Aus meiner Sicht ist eine gut gemachte Homepage für einen Friseur unverzichtbar.

Wenn bei Google Suchanfragen eingegeben werden, steht an erster Stelle die Suche nach einem Restaurant, bereits an zweiter Stelle die Suche nach einem Friseur. Die Konsequenz ist völlig logisch: Friseure, die neue Kunden haben möchten, brauchen eine Homepage, um gefunden zu werden.

Sollte der Friseur auf facebook vertreten sein?

Ich bin ein großer Fan von facebook und liebe es, mich hier mit Kunden und Freunden auszutauschen. Da Friseure kommunikative Menschen sind, würde ich empfehlen, auf facebook vertreten zu sein und ins Social Media Marketing, auf gut Deutsch in den Dialog mit Kunden und potentiellen Kunden, einzusteigen. Man muss sich nur klar darüber sein, dass man regelmäßig Zeit für facebook erübrigen muss. Alle zwei Wochen mal reinschauen geht nicht.

C:EHKO feiert als Marke in diesem Jahr das 10jährige Jubiläum, Sie selbst sind gerade mal über 30 - wie haben Sie es geschafft, diese Marke weltweit aufzustellen?

Hinter mir steht ein Familienunternehmen mit 70-jähriger Tradition in Thüringen. Mein Urgroßvater legte 1940 den Grundstein mit einem sehr erfolgreichen Kräuterhaarwasser. Zu DDR-Zeiten wurde das Unternehmen verstaatlicht und mein Vater und mein Onkel produzierten im Auftrag der DDR-Regierung für den gesamten Ostblock vor allem Dauerwellen. Nach der Wende kauften wir unseren eigenen Betrieb in Kooperation mit der Wella AG zurück und bereits 1997 übernahm meine Familie die kompletten Anteile der Gebr. Ewald GmbH. Seither sind wir eines der letzten Familienunternehmen, die Haarpflegeprodukte in Deutschland produzieren. C:EHKO ist die friseurexklusive Marke der Gebr. Ewald GmbH. Ich bin nicht allein, aber es war natürlich ein großes Stück Arbeit, diese Marke so aufzubauen.

Welche Vorteile bieten Sie den Friseuren als Familienbetrieb?

Wir kennen unsere Kunden und betreuen Sie sehr persönlich. Bei uns wird keiner zum Großhandel abgeschoben, weil er nicht genug Umsatz macht und bei uns hängt auch kein Kunde in ewigen Telefonwarteschleifen.

Wir haben schlankere Strukturen als die großen Konzerne und können daher beste Qualität zu attraktiven Preisen liefern.

Außerdem können Friseure unsere Produkte in kleinen Stückzahlen, z.B. Farbtuben einzeln, bestellen. Weil wir unser Entwicklungslabor vor Ort haben und die Produkte ständig in Partnersalons testen, können wir auch schnell auf Anfragen reagieren und neue Entwicklungen aufgreifen.

 

 

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